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Staatsballett Berlin öffentliches Training vs. mein Ballettunterricht

April 17, 2011

Samstag ist ja mein Balletttag. Diesen Samstag war außerdem Lange Nacht der Opern und Theater in Berlin. Die Veranstaltung überfordert mich ja komplett. Allein das Programm ist unglaublich unübersichtlich, weil jedes Theater irgendwas macht. Ich habe dann gezielt nach Tanzveranstaltungen gesucht und bin bei der wahrscheinlich einzigen Tanzperformance in Berlin aufgeschlagen, die absolut nichts mit der Langen Nacht zu tun hatte.

Da mich die Performance interessiert, habe ich mir also eine Karte für eine spätere Vorstellung reserviert und bin zur komischen Oper, wo das Staatsballett eine öffentliche Probe abhielt. Vorher wurde noch groß getwittert „mit Vladimir Malahhov und Polina Semionova“, als würden nicht auch so schon genug Leute kommen. Die komische Oper platzte entsprechend aus allen Nähten. Ich ging erst rein, die Türen waren noch geschlossen, also wieder raus, Cola und Zigarette. Zehn Minuten später war die Menschentraube schon auf der Straße. Ich drückte mich an den Massen vorbei näher zum Eingang, wo mittlerweile auch nicht mehr kontrolliert wurde, ob jemand eine Karte hatte oder nicht. Erstaunlicherweise hatte ich dann einen relativ guten Sitzplatz. Erst ganz am Rand, was, da Guckkastenbühne, der schlechteste denkbare Platz war, dann wurde etwas mittiger irgendwie ein Platz frei und ich setzte mich dahin.

Die öffentliche Probe: Vladimir Malakhov als nonchalanter Moderator, der überraschend gut deutsch spricht, Witze macht und den Tänzern sagt, was sie zu tun haben, sehr schnell, so dass ich mich wundere, dass die Tänzer im wesentlichen dann etwas ähnliches ausführen. (keinesfalls alle das gleiche, und es ist schön zu sehen, dass auch die Vollprofis, manchmal einfach nicht raffen, was sie jetzt eigentlich machen sollen. Danke! Danke! Danke!)

Das ist ziemlich lustig, wenn man vorher selbst bei der Ballettstunde war. Natürlich machen die alles viel besser. Die fünfte Position sitzt und die girls gehen beim elevée sofort auf Spitze (was im Anfängerunterricht niemand macht), aber im wesentlichen ist das am Anfang so ähnlich wie bei uns auch. Und sie müssen sich nicht mal im Spiegel anschauen.

Der Blick in den Spiegel ist ja das Schlimmste beim Ballettunterricht, wenn man dauernd denken muss: ich bin zu fett, ich muss die Arschbacken zusammenkneifen, ich muss die Bauchmuskeln strecken, ich muss den Kopf gerade halten, die Schultern nach hinten, Brustkorb raus, Schultern nach unten, das Becken aufrichten, Kopf gerade, Finger strecken, Ellenbogen nach oben, Daumen nach Innen, Hüfte strecken durch das Standbein, weil das sonst mit dem gestreckten Tendu nicht klappt. Ich schätze, man ist im Ballettunterricht drei Zentimeter größer als im normalen Leben, weil alles gestreckt sein muss. Und dann sollen die Arme noch was völlig anderes machen als die Beine und der Blick zur Hand, während man eigentlich nachschauen will, ob die Beine irgendwie das machen, was verlangt ist. Der Horror!

Na gut, die Staatsballettler machen das seit Jahren und werden dafür bezahlt, statt selbst Geld abzudrücken. Insofern grämt es mich nicht sonderlich, wenn die einen sauberen Grand jetté hinbekommen, während das bei mir… naja, ich will nicht sagen wie das aussieht. Ich bin schon froh, wenn ein Bein vorn und eins hinten ist und selbst das klappt eher selten, so dass ich eine Art Leichtathletik Weitsprung vollführe. Wenigstens können die Mitschüler dann denken, dass sie das, verglichen mit mir, richtig gut können.

Iana Salenko versteckt sich von mir aus gesehen hinter dem Guckkastenrahmen, ich weiß tatsächlich nicht, dass die junge Frau da ist, bis Malakhov sie zwingt, nach vorne zu kommen. (Streng: Iana. Und eine Geste ins Zentrum der Bühne und die kleine Person erscheint im Zentrum.) Mich beruhigt es auch immer, wenn an der Stange vor mir jemand steht, der es besser kann als ich (was die meisten sind, aber mittlerweile dann eben auch nicht mehr alle). Manchmal ist es auch gut, der erste an der Stange zu sein, weil man sich mehr konzentriert und man die Option, „ich mache einfach das, was die da macht“ nicht hat. Bei einem Workshop hat die Lehrerin auch mal gesagt: wenn ich falsche Anweisungen gebe, ignoriert das einfach und macht es richtig, weil sie selbst den Überblick verloren hatte, was ziemlich häufig passiert. Und die durch das dauernde am Schreibtischsitzen verkümmerten Hüftstrecker tun weh wie Hölle und Krämpfe in den Füßen, weil man dauernd die Füße strecken muss. Ja, Ballett ist ein großer Spaß.

Frau Semionova erscheint dann erst zur Lecture Demonstration für Oz. Dazu später mehr, weil Oz zu interessant ist, um das Stück mal eben so nebenbei abzuhandeln. Wer Zeit hat, sollte sich Oz anschauen, weil witzig und gut und interessant und La Esmeralda sowieso, aber am besten vorher eine Ballettstunde nehmen und dann in Ehrfurcht erstarren.

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One Comment leave one →
  1. maria permalink
    April 17, 2011 10:06 am

    „LIKE“…

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