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Laso Cia de Danca – Brasil move Berlim

April 20, 2011

Die Workshopsaison ist in vollem Gange, insofern komme ich nicht so recht dazu, etwas zu schreiben, dabei sind einige Themen natürlich längst überfällig.

Oz, Taking Steps, aber ich fange mal mit dem letzten an, das ich gesehen habe, die oben erwähnte brasilianische Tanzgruppe Laso cia de danca, die mit dem Stück O Que nos moves bei dem Festival des zeitgenössischen brasilianischen Tanzes (Brasil move Berlim, ja Berlim, muss irgendwie portugiesisch sein) im HAU zu Gast war.

Ich muss gestehen, dass ich etwas überfordert damit bin, wenn es darum geht, etwas über zeitgenössischen Tanz im allgemeinen und zeitgenössischen brasilianischen Tanz im besonderen zu schreiben. Eigentlich müsste man untersuchen, inwiefern sich der zeitgenössische brasilianische Tanz nun vom zeitgenössischen Tanz in anderen Ländern unterscheidet und das kann ich natürlich nicht.

Zum einen liegt das daran, dass ich leider nur diese eine Vorstellung des Festivals gesehen habe, zum anderen scheint mir der Bühnentanz doch ein ziemlich globales Phänomen zu sein. Man darf getrost davon ausgehen, dass ein Choreograph in Brasilien weiß, wer Pina Bausch, Sasha Waltz, Alvin Ailey usw. ist, schon mal gesehen hat, wie Michael Jackson tanzt und die Kids in Rio oder Sao Paolo tanzen wahrscheinlich ähnlich zu Hip Hop wie die kids in Paris oder New York.

Kurz gesagt, die Unterschiede sind subtil und „O Que nos moves“ ist vor allem erstmal zeitgenössischer Tanz auf ziemlich hohem Niveau, so ich das beurteilen kann.

Das zweite Problem bei zeitgenössischem Tanz ist eher ein formales. Sagen wir vor hundert Jahren gab es eine überschaubare Form an tänzerischen Ausdrucksformen. Es gab das klassische Ballett, es gab die Ballet Russes und in Deutschland machte Mary Wigman sich an ihre Ausbildung und Rudolf von Laban hatte seine Bewegungsstudien schon gemacht.

Der zeitgenössische Tanz von heute hat ein unüberschaubares Arsenal an Ausdrucksmöglichkeiten, beginnend mit klassischem Ballett, über Jazz, Break Dance, Ausdruckstanz, Contact Improvisation, moderner Tanz nach Martha Graham, Limon-Technik, Pina Bausch, neoklassisches Ballett, Laban Technik, Skinner Release Technik, Voice motion Technik etc etc. (die Techniken werden in Christoph Winklers „Taking Steps“ alle aufgezählt und kurz, für ungefähr drei Sekunden pro Technik, demonstriert.) Des weiteren werden diverse andere Formen der Körperarbeit für den Tanz nutzbar gemacht, wie Karate, Tai Chi, Capoeira (gut, das ist eine Tanzform), Yoga, Feldenkrais und so weiter. In dem sehr guten „Tanztechnik 2010“ Buch, wird versucht, einen groben Überblick zu bieten, aber die Aufgabe ist eigentlich nicht lösbar.

Aus diesem Sammelsurium an Ausdrucksmöglichkeiten muss eine zeitgenössische Tanzkompanie oder ein zeitgenössischer Choreograph eigentlich mit der Zeit ein eigenes Bewegungsvokabular entwickeln. Als Grundlage dient dabei meistens das, was die Tänzer mitbringen. Manchmal bringt der Choreograph ein zusätzliches Element hinein, z.b. Tai Chi und Meditation beim Cloud Gate Dance Theater of Tai Wan, um einen bestimmten Effekt zu erzielen (im erwähnten Beispiel zwei Effekte: eine größere Konzentration und Ruhe auf der Bühne und geringere Verletzungsanfälligkeit in der Trainingsarbeit).

Carlos Laerte, der Choreograph von Laso Cia De Danca, hat einen recht vielfältigen Background in der Ausbildung, aber wie gesagt, über die verschiedenen Tanztechniken kann ich mich eigentlich nicht äußern. Was ich erkannt habe ist: Bewegungen aus dem klassischen oder Neoklassischen Ballett wie Ronde de jambes, Arabesken, Battements (keine Fußpositionen, soweit ich mich erinnere), Contact Improvisation (Ein Tänzer bewegt den anderen z.B. durch ziehen an den Haaren, Manipulieren verschiedener Körperteile, ziehen an Hautfalten u.ä.), Pina Bausch artige Bewegungen, Alltagsbewegungen, Street dance usw. All das wird von den Tänzern ziemlich gekonnt umgesetzt, die Bewegungen sind präzise ausgeführt, Blicke, manchmal recht komplex erscheinende Übergänge u.ä. funktionieren reibungslos und wirken sehr genau choreographiert.

Dieser bunte Mix an Ausdrucksformen ergibt erstaunlicherweise Sinn, weil das Konzept das dem Abend zu Grunde liegt gerade dieses Vielgestaltige ist. Das Bühnenbild besteht aus einem Eisengestellt, an dem sehr viele Kleidungsstücke hängen. Allesamt Second Hand Ware, d.h. jedes Kleidungsstück bringt eine eigene Geschichte mit. Die Konstruktion ermöglicht es den Tänzern sowohl, in die dort hängenden Kleider hineinzuschlüpfen, als auch, sie abzunehmen und auf der Bühne auszuprobieren. Im Grunde funktioniert es so, dass, wenn ein Kleidungsstück gefunden ist, etwas entsprechendes getanzt wird und was getanzt wird, zu welcher Musik oder welchen Geräuschen, scheint einen Zusammenhang mit dem Kleidungsstück zu haben.

Wenn man so will handelt der Abend von Schicksalen in der Großstadt, um es etwas gestelzt auszudrücken.

Ergänzt wird das ganze durch Videoprojektionen, am Anfang, glaube ich, sehr untouristische Impressionen von Rio de Janeiro, das Video ist da die einzige Lichtquelle und dazu tanzt eine Tänzerin in Kapuzenshirt und mit Turnschuhen etwas. Mir gefällt, dass sie gelegentlich mit den Turnschuhen Quietschgeräusche auf dem Boden macht (absichtlich), würde ich auch machen, wenn ich mit Turnschuhen etwas zu tanzen hätte.

Am Ende sind die Videoaufnahmen live. Die Tänzer auf der Bühne werden gefilmt, man könnte das so interpretieren, dass sie letztlich durch das, was sie gezeigt haben, sich die Geschichten der Leute, deren Kleider sie getragen haben und die mit ihnen in der Stadt leben angeeignet haben (urks, klingt etwas hingebogen, aber was besseres fällt mir gerade nicht ein).

Wie dem auch sei, die Aufführung wirkt dadurch rund und geschlossen und ich habe es bereut, dass ich bei dem Festival nur das eine Stück gesehen haben. Das sechste Festival findet 2013 statt, keine Ahnung, wo ich da sein werde, aber wenn sich die Möglichkeit ergibt, werde ich mir sicher etwas mehr anschauen.

Soviel dazu. Verlinkungen muss ich in einer ruhigen Minute mal machen, schon fast elf und morgen ist wieder Workshopzeit.

Freitag steht Schneewittchen auf dem Programm, Herr Preljocaj, über den es ja sehr viel zu sagen gibt. Frau Knop scheint es besser zu gehen, weil sie am Sonntag bei einer Staatsballettveranstaltung irgendwo zwischen Berlin und Frankfurt an der Oder auftritt, die Stiefmutter tanzt sie aber nicht, stattdessen darf Elena Pris wieder ran. Mal sehen. Samstag ist dann Sprechtheater und dann erstmal ein bisschen Ruhe, es sei denn ich finde was, was mich interessiert (habe einen Trailer von der Friedrichstadtpalastshow gesehen und weiß nicht, ob das was für mich ist…).

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