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Workshopsaison Ostern 2011 Abschlussbericht

Mai 4, 2011

Die Osterworkshopsaison ist ja mittlerweile zu Ende gegangen, höchste Zeit also, einen Abschlussbericht zu verfassen.

Ich habe insgesamt drei Workshops besucht:

Laban Bewegungsstudien (4 Tage lang je fünf Stunden)

Yoga Ballett (4 Tage lang je 2,5 Stunden)

Und Modern Dance für Anfänger m.V. (mit Vorkenntnissen) (4 Tage lang je 2 Stunden)

Modern Dance war zwar nur zwei Stunden lang, aber erheblich anstrengender als die anderen beiden Workshops zusammen genommen. Habe pro Unterrichtseinheit zwei T-Shirts verbraucht, konnte nach Tag zwei kaum noch laufen und war am letzten Tag mit der Choreographie so überfordert, dass ich nur den ersten Teil mitgemacht habe und bei den abschließenden Sprüngen, Pirouetten und Rondes de jambes (einmal rechts einmal links, so schnell, dass ich in der Zeit gerade mal mein Gewicht vom linken aufs rechte Bein verlagern konnte) nur frustriert zugeschaut habe.

Ja, die Vorkenntnisse. Auf Nachfrage vor dem Kurs war mir ja versichert worden, dass ein paar Ballettstunden als Vorkenntnisse für den Modern Dance Workshop ausreichen, allerdings ist nicht jeder nach ein paar Ballettstunden in der gleichen Tanzverfassung. Es gibt ja Leute, die eine Art natürliche Eleganz und Begabung für Tanz mitbringen. Das ist tatsächlich unabhängig davon, wie viel diese Leute wiegen, ob sie Mann oder Frau sind und ähnliches. Das ganze hat vermutlich etwas mit Mut zu tun, etwas damit, dem Körper so weit zu trauen, dass er irgendwie schon auf sich aufpassen und das Richtige machen wird und damit, dass man Spaß bei der Sache hat und nicht bei jeder Bewegung glaubt, dass man wie ein Idiot aussieht.

Nun gut, ich gehöre nicht zu den Leuten, die diese natürliche Eleganz mitbringen. Ich sehe bei jeder Bewegung wie ein Idiot aus oder nehme das zumindest an.

Mein Ansatz ist in der Tendenz eher Tai-Chi oder yogaartig, ich muss die Bewegung irgendwie verstehen und wissen, dann kann ich sie machen, langsam, und wenn mein Körper sie nach der hundertsten Wiederholung einigermaßen drauf hat, kann ich allmählich anfangen, mich darum zu kümmern, wie das ganze aussieht, möglicherweise ein bisschen an der Armarbeit feilen, mich darum bemühen, das Becken aufzurichten und meine seit dreißig Jahren antrainierten Haltungsfehler auszugleichen, was anstrengend ist, weil natürlich die Muskeln, die dafür notwendig sind, seit eben dreißig Jahren verkümmert und verkürzt sind.

Bei Yoga Ballett war es interessant für mich zu merken, dass alle anderen bei der Vorbeuge ihre Beine angewinkelt hatten. Mein Gedanke war natürlich, dass alle bescheißen, bis mir klar wurde, dass es zwei Arten von Vorbeugen gibt: die, die dazu da ist, die Beine zu dehnen und die, die dazu da ist, den Rücken zu dehnen. Für letztere ist es sinnig, die Beine anzuwinkeln. Ich bin vorher eigentlich nie auf die Idee gekommen, dass man den Rücken überhaupt dehnen kann, ich weiß nicht warum. Der Gedanke hat einfach nie Einlass in mein Hirn gefunden. Seit dem Workshop dehne ich fleißig den Rücken, was wohl auch für die Wirbelsäule nicht schlecht ist. Überhaupt ist die Beweglichkeit des Oberkörpers ein Thema gewesen. Bei Laban ging es häufig darum, nach irgendwas Imaginärem zu greifen, sich danach zu strecken, was tatsächlich, glaube ich, wenn man es dann im Tanz einbaut nicht schlecht aussieht.

Überhaupt Laban. Bei Frequenz 04/11 war ich doch ganz glücklich, dass ich viele Bewegungen in der Laban Terminologie hätte beschreiben können. Die Laban Notation allerdings scheint mir eine Tanznotation für Wahnsinnige zu sein, obwohl der Workshopleiter meinte, er würde Leute kennen, die einen Tanz in Labannotation live mitschreiben könnten…

Im Laban Workshop kam es mir entgegen, dass es bisweilen Diskussionsrunden gab. Ich sehe beim Tanzen vielleicht aus wie ein Idiot, in Diskussionsrunden kann ich aber meistens eine einigermaßen gute Figur machen und versuchen, meine Würde wieder herzustellen.

Ich würde meinem Tanz allerdings zu gute halten, dass ich, wenn ich einmal aufgehört habe, mir darüber Gedanken zu machen, wie ich dabei aussehe, verglichen mit professionellen Tänzern relativ uneitel rüberkomme. Viele Profitänzer wollen auch bei einer einfach Improvisation, in der es darum geht, bogenförmige Bewegungen zu machen, zeigen was sie können. Wenn man nichts kann, kann man auch nichts zeigen wollen, man macht dann einfach so gut man kann und das hat ja irgendwie auch was für sich (schönred).

Wenn wir schon bei bogenförmigen Bewegungen sind: Meine Lieblingsbewegung im Ballett ist ja das ronde de jambe. Eine bogenförmige Bewegung mit dem Bein, auf dem Boden. Das ronde de jambe en air gibt es auch, sieht aber beknackt aus, weil nur eine kleine Bewegung mit dem Unterschenkel. Bei einer Zwischenform hebt der Fuß ein paar Zentimeter ab und macht ein normales Ronde de jambe, was wieder okay ist. Dabei malt man praktisch mit der Fußspitze einen möglichst weiten Halbkreis auf den Boden. In dem ersten Stück, das ich gesehen habe, in dem klassische Ballettbewegungen benutzt wurden (Herrn Preljocajs „and then a thousand years of peace“), hat die Truppe mal kollektiv ein paar ronde de jambes mit gebeugtem Standbein (plié) gemacht. Jedenfalls sah das ziemlich cool aus und ein kleine, blonde Tänzerin in der ersten Reihe, vor meiner Nase, machte die Bewegung und lächelte dabei in sich hinein. Mir ist das aufgefallen, weil es eben kein Ballettlächeln war. Das ronde de jambe ist eine Bewegung die tendenziell einfach Spaß bringt. Deshalb gibt es die Bewegung auch im Modern Dance und vermutlich auch beim Hip Hop Tanzen und beim Steptanz sowieso. Und es sieht, richtig ausgeführt, ziemlich lässig aus, ob mit oder ohne Auswärtdrehung des Beins (mit Auswärtsdrehung ist alles noch mal eine Nummer lässiger, aber ein paar andere Dinge kann man dann nicht machen).

In abgewandelter Form taucht die Bewegung dauernd auf, im Grunde kann man jede Drehung, die nicht genau definiert ist, mit einem ronde de jambe kombinieren, wenn man Lust hat. Beim Modern Dance workshop haben wir uns mit den Händen auf dem Boden abgestützt, dabei mit dem rechten Bein hinten ein ronde de jambe ausgeführt, dem der Körper folgte, dann hoch und eine off balance Pirouette auf dem rechten Bein. Danach bin ich dann aus der Choreographie ausgestiegen, aber bis dahin hat das Spaß gemacht, egal wie es ausgesehen hat. Off Balance Pirouetten sind eh eine gute Sache und in dem Fall hatte sogar ich durch das Ronde de Jambe genug Geschwindigkeit um das irgendwie, wenn auch nicht sonderlich elegant, hinzubekommen. Off Balance heißt, dass die Pirouette mit Schlagseite ausgeführt wird, also zur Seite geneigt und danach folgt zwangsläufig eine abfangende Bewegung, wenn man nicht stürzen will. Man muss sich aber keine Gedanken um die Balance machen, weil eben off balance, das heißt die Bewegung hält sich nur über die Geschwindigkeit.

Es gibt ein paar auffällige Gemeinsamkeiten zwischen Modern Dance und klassischem Ballett. Die „Diagonalen“ (bei denen sich die Truppe in der Diagonale durch den Raum bewegt) sind interessanterweise nicht „ähnlich“ sondern genau gleich. Walzer, Pas de bourrée, ein großer tiefer Schritt, zwei kleine auf halber Spitze, in fortgeschrittenen Stadium ein paar Drehungen.

Es gibt auch einige Unterschiede, die einem sofort ins Auge springen. Zum einen fällt beim Modern Dance die Auswärtsdrehung der Beine weg. In der Regel ist die Ausgangsstellung eine parallele Stellung der Füße. Zum anderen sucht man im Modern dance häufig den Kontakt zum Boden. Sich auf den Boden zu werfen und hin und her zu wälzen ist eine übliche Bewegung, man hockt auf den Knien, wälzt sich dann einmal liegend über den Boden und kommt auf dem Hintern mit nach vorn gestreckten Beinen wieder zum Sitzen. Modern dance strebt zur Erde, klassisches Ballett zum Himmel. Technisch gesehen ist der Boden natürlich auch im klassischen Ballett sehr wichtig (gerade weil die Berührungspunkte z.B. im Spitzentanz gering sind), aber im Modern dance gibt es diese esoterische Ebene, dass man Energie aus dem Boden zieht und den Boden praktisch als Partner für eine Art Contact Impro nimmt. Das kommt mir irgendwie entgegen, gerade weil ich auch beim Labanworkshop einige Zeit damit zugebracht habe, mit dem ganzen Körper in den Boden hineinzusinken (hat nicht geklappt, aber der Versuch hat auch einige interessante Effekte, eine gewisse Entspannung und ein seltsames Gefühl von Sicherheit).

Bei Laban gab es diese Phasen, dass jeder ein bisschen machen konnte, was er wollte und man beobachten konnte, wie eine seltsame Choreographie entstand und dass tatsächlich alles, was in den paar Minuten im Raum von den unterschiedlichen Leuten gemacht wurde irgendwie die Atmosphäre verändert hat und eine Bedeutung hatte. Häufig genug bildete sich in der Mitte des Raumes ein living theater mäßiges Menschenknäul und ein paar Leute bewegten sich darum herum. Was gut war, war, dass es durchaus in Ordnung ging, sich von der Gruppe abzusondern oder so halb dazu zu gehören.

Choreographie ist wahrscheinlich letztlich nur der Versuch, etwas zu steuern, was von allein irgendwie entsteht, wenn Leute sich gemeinsam in einem Raum aufhalten und bewegen (oder nicht bewegen).

Selbst jemand, der sich rauszieht und nichts tut, ist Teil davon. Warum sollte das bei Workshops auch anders sein als im echten Leben?

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