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Ballet helps Japan – Gala

Mai 8, 2011

Jippieh! Meine erste Ballettgala. Oder doch nicht so jippieh? Ich fürchte, ich bin nicht wirklich das Zielpublikum für derartige Veranstaltungen. Mir ist ein Abend, der von vorn bis hinten misslungen ist, irgendwie lieber, als ein Abend, wo ich irgendwas gut finden muss, weil für jeden Geschmack etwas dabei ist.

Aber das ist natürlich der Sinn einer Gala. Eine hübsch gemischte Zuckertüte, und wenn man die Schokolade nicht mag, nimmt man eben die Salzstangen.

Das ganze findet im Admiralspalast statt, eine Zuschauerin klärt mich vor der Aufführung darüber auf, dass man von den vorderen Plätzen aus die Füße der Tänzer nicht sehen kann. Recht hat sie. Die Bühne ist viel zu hoch und bei Ballett ist das irgendwie doof. Ich frage mich, was so schwer daran ist, eine Bühne so zu bauen, dass der Zuschauer tatsächlich sehen kann, was da passiert. Im Radialsystem geht das, In der HALLE Tanzbühne, in der Schaubühne, in den Sophiensälen… warum nicht im Schiller Theater oder im Admiralspalast?

Na, egal. Das „für jeden etwas“ Prinzip einer Gala hat auch was für sich und so nutze ich den Abend, um für mich eine kleine Standortbestimmung zu machen, was ich im Mainstream Tanz gut finde und was nicht.

Vor der Pause gibt es vom Ballett der Staatsoper Kiew ein Pas de deux von Agrippina Vaganova choreographiert. Viele scheinen das zu mögen, ich nicht. Auf dem Weg in die Pause schnappe ich auf, wie eine junge Dame das Wort „Zirkusnummer“ sagt und das würde ich so unterschreiben.

Showtanz. Vielleicht war es gut, dass Frau Vaganova sich dann auf ihre Laufbahn als Ballettlehrerin besonnen hat.

Zwischendurch gibt es zwei Kindertanzgruppen, eine aus Moskau, eine aus Ekaterinenburg. Mag ich nicht, weil ich Kindertanzgruppen nicht mag. Die Choreographien sind allerdings recht ambitioniert und ich schätze mal, dass die kleinen Menschen auf der Bühne für später eine Karriere im Ballett anstreben. Der Grund weshalb ich Kindertanzgruppen nicht mag, ist, dass es sich verbietet, das schlecht zu finden. Man muss, um das zu beurteilen, eigentlich pädagogisch argumentieren und dazu habe ich gerade keine Lust. Die Choreographien sind jedenfalls in Ausführung und Konzeption so, dass auch Erwachsenenkompanien nicht unterfordert gewesen wären.

Dann gibt es ein deutsch russisches Volkstanzduett, offensichtlich Zwillinge, was dem ganzen einen seltsam surrealen Anstrich gibt. Nicht schlecht, aber natürlich auch Teil der Beliebigkeit, die ein Galaabend so mit sich bringt.

Eigentlich sollte Svatlana Lunkina mit Dmitry Gudanov das Pas de deux aus „Giselle“ tanzen. Aus irgendeinem Grund taucht Frau Lunkina aber nicht auf (sie steht auf dem Programmzettel, das muss relativ kurzfristig gewesen sein). Ich finde das nicht sooo schlimm, weil das Solo das Dmitry Gudanov dann macht eine der Nummern ist, die mir tatsächlich ziemlich gut gefallen. Hat sogar einen Japan Bezug und ist ziemlich modern, was mich, wenn man „Giselle“ erwartet und dann noch vom Bolschoi, doch überrascht.

Dinu Tamazlacaru tanzt zu Jacques Brel. Ich mag Jacques Brel und er tanzt das ziemlich gut, also auch ein Plus Punkt und es ist natürlich schlau, an so einem Abend, einfach zu einem Song zu tanzen, weil man da die Nummer geschlossen und vollständig halten kann, während die aus dem Zusammenhang gerissenen Teile aus größeren Ballettstücken doch etwas daran kranken, sehr fragmentarisch zu sein. Na klar, man kann sich dann ganz auf den Tanz konzentrieren, zumindest theoretisch oder wenn man die Füße sehen könnte, aber nun gut, ich merke, dass ich doch ein großes Ganzes lieber mag, als ein kleines Mosaik, das nicht so recht zusammenpasst. Wie gesagt, ich bin nicht so der Galamensch.

Nadja Saidakova macht wieder alles richtig und tanzt ein Duett mit Noah Gelber (Ex-Forsythe Company steht auf dem Programmzettel). Die Choreographie ist von Forsythe und sagt mir, von allem, was geboten wird, am meisten zu. Wirklich überraschend ist das nicht für mich, eher überrascht mich, dass mir die John Neumeier Sache vom Hamburger Ballett (auch ein Duett) irgendwie nicht so viel sagt.

Gut finde ich noch ein kleines Hans von Manen Stück vom Staatsballett Amsterdam (von Igone de Jongh und Alexander Zhembrovsky getanzt). Hans van Manen hat, glaube ich, den Vorteil, dass er häufiger kürzere Sachen choreographiert hat.

Außerdem: Fanfaren LX, von Douglas Lee choreographiert mit Elisa Carrillo Cabrera und Mikhail Kanishkin, Frau Cabrera finde ich eigentlich immer gut und hier kann sie schön glänzen, Mikhail Kanishkin auch. Die Rolle in La Esmeralda, in der ich ihn vorher gesehen hab, gibt nicht so viel her, aber das hier macht er sehr gut.

Über die tänzerische Qualität des Abends muss ich mich eigentlich sowieso nicht äußern, was völlig klar ist, ist, dass alle die auftreten sehr gut tanzen können, einschließlich des Nachwuchses (nein nicht die Kindertanzgruppen, sondern ältere Ballettschüler aus verschiedenen Ballettschulen in Deutschland, also Mannheim und Stuttgart, um genau zu sein). Da ich mich die vergangenen drei Tage durch verschiedene Ballettstunden gekrepelt habe, bin ich da natürlich per se beeindruckt.

Der sterbende Schwan von  Malakhov ist sehenswert (Choreographie: Mauro de Candia). Ich hatte ja erst gehofft, er würde die Fokine Choreographie mit Tutu und Spitzenschuhen tanzen, aber das wäre wohl zu albern gewesen und dann dem Anlass (Erdbeben, Tsunami, Supergau) wohl nicht angemessen.

Das Duett aus Caravaggio mit Beatrice Knop und Leonard Jakovina hatte ich schon mal so halb gesehen, im Schiller Theater von einem schlechten Platz in anderer Besetzung, diesmal also noch mal, im Admiralspalast, also fußlose Tänzer. Mal sehen ob ich irgendwann einen Sitzplatz habe, von dem aus man das alles mal komplett betrachten kann. Tänzerisch und choreographisch ist das schon gut, und mit Choreograph Mauro Bigonzetti werde ich mich bei Gelegenheit mal befassen. Letztens gab es ja auf „arte“ ein Special über den Mann, das ich aufgenommen, aber noch nicht gesehen habe.

Für mich entsteht an dem Abend ein bisschen der Eindruck, dass ich klassisches Ballett vielleicht doch nicht sooo gerne mag. Nussknacker, Carmen, die Vaganova Sache, das ist alles schön und gut, aber irgendetwas stört mich daran. Was genau, kann ich tatsächlich nicht sagen, vielleicht dass zuviel Schauspiel dabei ist, manchmal würde es mich mehr interessieren, ob nicht auch im klassischen Ballett das gewünschte Gefühl über die reine Form ohne Mienenspiel erzählt werden kann. Vielleicht ist es aber auch eine Möglichkeit, es so zu sehen, dass das Mienenspiel Teil der Form ist, also einen leidenden Gesichtsausdruck nicht anders zu sehen als eine Fußposition oder Schrittfolge.

Darüber muss ich noch ein bisschen nachdenken.

Es kann sein, dass Ballett da so ähnlich ist wie Death Metal. Zugegeben: Opeth ist eigentlich die einzige Death Metal Band, die ich mag und am Anfang war es schwierig, das zu hören, wegen diesem tiefen „Growl“-Gesang, bis ich irgendwann aufgehört habe, das als Gesang wahrzunehmen und es einfach als Teil des Sounds verstanden habe. Ab da war es gut. Manchmal ist das ja nur eine Haltungsfrage und vielleicht ist es möglich die Rolle, die sich im Ballett durch Mimik und Kostüm transportiert, nicht als Schauspiel zu werten sondern als Teil des Tanzes. Mal sehen, ob das geht… Onegin ist der nächste feste Termin, vorher werde ich mich wohl noch ein bisschen in der freien Szene tummeln, wenn ich Zeit habe.

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