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Ballerina Battles und andere Irrtümer.

Mai 25, 2011

Ja, die Zeit vergeht und im Moment gibt es nicht viel zu berichten, außer, dass ich in orwellscher Manier, peinliche Fehler in vorherigen Blogartikeln habe spurlos verschwinden lassen (wie die Behauptung, dass es die Schneekönigin nicht als Ballett gibt – gibt es doch, sogar im Repertoire des Staatsballetts). Glücklicherweise hat dieser Blog ja nur sehr wenige Leser, so dass meine Geschichtsverfälschungen nicht wesentlich ins Gewicht fallen.

Ich scheine aber in letzter Zeit ein wenig unkonzentriert zu sein, was mir auch daran auffällt, dass ich mir Theaterkarten für unterschiedliche Vorstellungen am gleichen Abend besorge oder aus Versehen Doppelbestellungen bei Amazon aufgebe.

Liegt vielleicht am Wetter.

Ich merke auch, dass ich ein mulmiges Gefühl dabei habe, mir Onegin noch mal anzuschauen und so fast gezwungenermaßen danach das machen muss, was ich gern vermeide, nämlich einen Ballerinenvergleich. Dazu passt, dass ich einen Artikel in der New York Times gefunden habe, in dem es unter anderem um Polina Semionovas Auftritt in Don Quichotte am Samstag in New York ging.

Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, dann ist es am American Ballet Theater mehr oder weniger üblich, gewissermaßen Ballerina Battles zu veranstalten, das heißt man lässt verschiedene international bekannte Gastballerinen an unterschiedlichen Abenden die gleiche Rolle tanzen und ermuntert so das Publikum zu vergleichen und vergleichen und vergleichen. Polina Semionova musste gegen Alina Cojocaru antreten (Semionova am Samstag, Cojocaru am Freitag). Alina Cojocaru kennt das wohl schon, weil sie bereits gegen Natalia Osipova getanzt hat (laut Artikel sogar am gleichen abend) und gegen Diana Vishneva, die definitiv nicht bei Lalala Human Steps in Berlin dabei ist, diese Woche aber wieder gegen Alina Cojocaru in „Giselle“ antritt – Vishneva am Freitag, Cojocaru am Samstag.

Der New York Times Kritiker sieht es so, dass Polina Semionova die Technikwertung gewonnen hat, ansonsten hat er aber eher Frau Cojocaru ins Herz geschlossen, um die es dann hauptsächlich in dem Artikel geht.

Na gut. Was stört mich daran?

Vielleicht dann doch die Nähe von klassischem Ballett zum Sport. Es gibt diverse Ballettwettbewerbe, in denen Tänzer gegeneinander antreten, es Gewinner und Verlierer gibt. Die Kriterien werden dabei wohl ähnlich sein wie beim Eiskunstlauf, mit einer Note für die technische Schwierigkeit und einer für den künstlerischen Ausdruck. Da ich mich ja eher für den theatralen Aspekt von Tanz interessiere, ist mir dieser ganze komische Wettbewerbscharakter irgendwie verdächtig.

Ein bisschen scheint es so zu sein, dass gerade die Ballerinen dabei wie Sportstars von Veranstaltung zu Veranstaltung reisen, um im wesentlichen die immer gleichen Rollen zu tanzen, die dabei nicht so sehr danach ausgewählt werden, was von einer theatralen Warte aus gesehen interessant ist, sondern nach technischer Schwierigkeit. Ich merke, dass ich ein Problem damit habe, mich auf diesen Aspekt von Ballett einzulassen.

Es ist auch schwer zu sagen, ob das schon immer so war oder letztlich nur der Ausdruck einer durchgedrehten Konkurrenzgesellschaft ist. Die freie Tanzszene steht dazu jedenfalls in einem gewissen Kontrast. Im klassischen Ballett sind die Tänzer die Stars (in Berlin vor allem Malakhov und Semionova), in der freien Szene eher die Choreographen (in Berlin wäre das dann vor allem Sasha Waltz).

Das sagt natürlich schon sehr viel aus über den Stellenwert von Performance vs. Konzeption oder Kunstwerk im klassischen Ballett bzw. der freien Szene, und vielleicht hat die von Jennifer Homans in Apollo’s Angels beschworene Krise des klassischen Balletts auch was damit zu tun.

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