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Nachträge: Gregory Maqoma, Yuval Pick, Steptext Dance Project

September 11, 2011

Nachträge: bevor ich es ganz vergesse noch drei Aufführungen, die ich gesehen habe, zu denen ich aber nicht so viel zu sagen weiß:

Steptext Dance Project waren mit „The bog forest“ in der Halle Tanzbühne zu Gast. Bin ein bisschen unschlüssig, ob ich einfach nur sagen soll, dass ich das gesehen habe und nicht mochte, oder ob ich dieses Nichtmögen begründen sollte. Nun gut, ich gönne mir ja den Luxus eigentlich nur über Sachen zu schreiben, die ich gut finde oder zumindest interessant, insofern belasse ich es mal dabei, dass „The bog forest“ für mich nicht so gelungen war.

Yuval Pick/the guest Company mit „Score“, war eins der Stücke, von denen ich fand, dass es noch ein bisschen unfertig wirkte. Dabei ist es so, dass alles, was auf der Bühne passiert durchaus Sinn ergibt. In dem Stück geht es um „die Situation in Israel“, so lässt sich dem Programmheft entnehmen. Zu sehen sind Contact Impro Figuren, die im wesentlichen dem Muster folgen: man findet sich zusammen, verschränkt die Arme, wie es für die folgende Hebung notwendig ist, dann findet die Figur statt und danach endet alles in Konflikt und Ringkampf. Tatsächlich ist das möglicherweise ein ziemlich gutes Bild für den Zustand der israelischen Gesellschaft und in seinen besten Momenten ist „Score“ wie die Atmoszenen in „Waltz with Bashir“, aber der Plot fehlt ein bisschen. Das Dreckige, Raue, Unfertige, das die Performance ausstrahlt hat durchaus einen Reiz. Am Ende kommt wieder die Gruppenfigur, diesmal sieht man aber nicht die ganze Ausführung, die Vorbereitung findet im Dunkeln statt, das Bild wird dann von Blitzlicht erleuchtet, wie Pressefotos, was wiederum die Außenwahrnehmung der Nahostsituation verdeutlicht – man bekommt weder mit, wie es dazu gekommen ist, noch verfolgt man die Aufflösung, sondern erhält vor allem die eher spektakulären News mitgeteilt. Da denke ich, dass das ganze mehr Potential gehabt hätte, aber es war auch so recht intelligent, die Tänzer haben sich ziemlich verausgabt, allerdings ohne dabei in die metaphyischen Sphären von Meg Stuart vorzudringen. Das war wahrscheinlich auch nicht gewollt. Insofern ist mein Problem ein Ästhetisches, das ganze kommt mir zu wenig sorgfältig gearbeitet vor, dieses Contact Impro und Voice Motion Zeug ist schön und gut, was fehlt ist etwas mehr Formwillen.

Den hatte Gregory Maqoma in „Beautiful me“. Ich habe ein etwas schlechtes Gewissen, dass ich das jetzt so kurz abhandle, weil das tatsächlich ein sorgfältig gearbeitetes Solo war, gut getanzt, thematisch interessant, dabei offen und freundlich in der Präsentation. Darüber gibt es ziemlich viele Rezensionen im Netz und ich habe dem nicht viel hinzuzufügen. Die Behandlung von Text ist nicht unbedingt nach meinem Geschmack, aber da mag man unterschiedlicher Meinung zu sein. Die Musik ist super, der Tanz beeindruckend, die Frage nach der eigenen Identität, die Maqoma stellt (mit dem schönen, traurig – lustigen Fazit, dass er nie gelernt hat, seinen eigenen Namen „Gregory“ korrekt auszusprechen, weil er das „R“ nicht richtig hinbekommt), mag intellektuell noch nicht ganz geklärt sein, für mich als Zuschauer ist sie aber beantwortet durch die Performance selbst, d.h. durch den Tanz. Maqoma kommt mir nicht vor wie jemand, der seine Identität nicht gefunden hat, er hat sie längt in seiner Art zu tanzen, die eine Hybridform aus unterschiedlichen Kulturen ist, dabei trotzdem sehr eigen und souverän und selbstbewusst. Welchen Sinn sollte Tanz haben, wenn nicht, dass man damit die Frage nach dem „wer bin ich“ beantworten kann, ohne sie sagen oder denken zu müssen? Kann natürlich sein, dass man das als Nichttänzer eher so sieht und es für den Tänzer selbst dann doch nicht ganz so einfach ist.

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