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Romeo und Julia – Staatsballett Berlin

Februar 15, 2012

Ein paar Worte muss ich darüber natürlich sagen, obwohl die Choreographie recht komplex ist und ich mir beim ersten mal schauen nicht mehr als einen groben Überblick verschaffen konnte. Also erstmal das Drumherum: Wenn die Presseberichte stimmen, hat Nadja Saidakova sich kurz vor der Premiere eine „Rippe gequetscht“ was irgendwie ziemlich unangenehm klingt, aber gleichzeitig so, als müsste sie daran nicht übermäßig lange rumlaborieren, bis sie wieder fit ist („nur“ eine Rippe und nicht ein Bein oder der Rücken). Was Nadja Saidakova betrifft, warte ich für meinen Teil eh auf die modernen Ballettstücke, also Forsythe und so, die in dieser Spielzeit noch anstehen und wo man sie dann hoffentlich sehen kann. Da ist sie nach meinem Dafürhalten besser als alle anderen, also gute Besserung und abwarten.

Durch das Unglück von Nadja Saidakova begann Romeo und Julia für mich so wie Schwanensee aufgehört hat, nämlich mit Marian Walter und Iana Salenko.

Es ist ein bisschen Unfug, bei den Paarungen, die für „Romeo und Julia“ anstehen von Zweit oder Drittbesetzungen zu sprechen und es ist auch irrelevant, wer die Premiere tanzt. Mit Polina Semionova und Friedemann Vogel steht im März die Superstar Variante an; die Erwartung ist, dass die übrigen sich daran zu messen haben und im Idealfall ihren eigenen Zugang finden werden. Bei Iana Salenko und Marian Walter hat man es mit einer recht freundlichen Version zu tun, was ich erstmal gut finde. Iana Salenko scheut sich nicht davor, die Stellen, die potentiell lustig sind auch lustig zu tanzen, die Reaktion auf den ersten Kuss mit Romeo ist einfach erstmal witzig und der Witz ist auch choreographisch so vorgesehen. Es gelingt ihr auch, die Komik an den richtigen Stellen ins Tragische kippen zu lassen, gelegentlich passiert das Witzige und das Tragische gleichzeitig (wenn sie sich weigert Graf Paris – Michael Banzhaf – zu küssen, ist das lustig und herzzerreißend zugleich). Der Entschluss zum hirnrissigen Selbstmordplan und die folgende Szene, in der sie in die Heiratspläne ihrer Eltern einwilligt, werden mit der nötigen Verzweiflung getanzt, ohne dass sie da übertrieben leidet. Ich habe ja bei Iana Salenko das positive Vorurteil entwickelt, dass sie immer genau weiß, was sie tut und eine Figur sinnig und geschlossen anlegen kann und als Julia bestätigt sie das. Sie trifft einfach klare Entscheidungen und so ist das dann. Man kann das dann mögen oder nicht und dass sie dem Zuschauer diese Entscheidung ermöglicht ist eine große Qualität. Marian Walter ist von meinem Eindruck her mehr ein Instinkttänzer, was für Romeo gut passt. Für beide gilt, dass sie die Freude, die es in dem Stück auch gibt, so offen spielen, dass die folgende Katastrophe dadurch in der Tendenz besser zur Geltung kommt. Auch wenn das Massensterben am Schluss einen gewissen Hang zum unfreiwillig Komischen hat, tut es einem da um die beiden schon leid.

Dass die beiden tänzerisch gut aufeinander eingespielt sind, ist keine große Überraschung, aber die Leichtigkeit mit der sie den Abend durchtanzen hat mich dann doch ziemlich beeindruckt. Technisch scheint mir das alles makellos, also so, dass ich nicht auf die Technik achte. Vergleiche mit anderen Paarungen stehen noch aus, aber mein Eindruck ist, dass die beiden die Messlatte schon mal ziemlich hoch gelegt haben.

Insgesamt sieht die Aufführung sehr gut aus, oppulent, aber nicht unbedingt überladen. Die Familien Capulet und Montague werden sehr deutlich voneinander unterschieden, wobei die Montagues (also die Romeo Fraktion) generell sympathischer gezeichnet werden. Das Geschehen hat sein Zentrum in zwei Parties, eine bei Familie Capulet – gravitätisch und dunkel gehalten –  eine bei den Montagues wo es eher so Sommernachtstraummäßig zugeht. Dass das Ganze nicht in ein zu plumpes hier die Netten, da die Doofen ausartet, liegt nicht zuletzt an Tomas Karlborg und Beatrice Knop, die es als Eltern von Julia schaffen, den Eindruck zu vermitteln, dass ihnen bei aller Strenge am Wohl der Tochter etwas liegt. Die Eltern Kind Beziehung bei Familie Capulet ist durchaus ambivalent, während die Eltern Montague keine übermäßig große Rolle spielen und sich das Geschehen dort eher um die Halbstarken Mercutio, Romeo und Benvolio rankt. Mit zunehmendem Alter muss ich sagen, dass ich lieber Gast auf einer Capulet Party wäre als bei den Clownereien der Montagues.
Das Bühnenbild ist recht reduziert, aber dafür multifunktional einsetzbar (und ich merke mir mal vor, dass es dazu noch etwas zu sagen gibt), schönes Licht, wie immer. Verglichen mit Peer Gynt würde ich sagen, dass die Dinge, die da von meiner Warte aus zu bemängeln waren, hier alle richtig gemacht werden, das heißt, es wird nicht mehr gewollt als einfach die Geschichte mit den Mitteln des Balletts zu erzählen. Erstaunlicherweise stört es mich hier nicht, dass Wieslaw Dudek und Beatrice Knop nicht wirklich tanzen, weil beide als Charakterdarsteller so präsent sind und präsent sein müssen, dass das den Einsatz von ersten Solisten meiner Meinung nach rechtfertigt.
Dinu Tamazlacaru ist auch wieder dabei und entwickelt seine gewohnte, erfrischende Bühnenpräsenz als Mercutio, der dann ausführlich und lange auf der Bühne stirbt, nachdem er von Tybalt (Dudek) mit dem Florett durchbohrt wurde. Wer noch? Sarah Mestrovic, als Rosalinde (love interest von Romeo wenn es Julia nicht gäbe), die ich mal erwähnen sollte, weil sie immer eine sehr offene und angenehme Ausstrahlung auf der Bühne hat und nie verbergen kann, dass ihr ihre Arbeit Spaß macht. Und Michael Banzhaf, der es irgendwie hinkriegt, unsympathisch zu wirken, ohne dass man ihm das wirklich übel nimmt. Man versteht ja irgendwie, dass es ihn nervt, wenn seine Lebensplanung (Julia heiraten) gerade den Bach runtergeht, weil der Montague Lümmel sich auf die Party geschlichen hat und dafür bewahrt er doch ganz gut die Contenance. Mehr zur Aufführung an sich folgt nach weiteren Sichtungen im März, im Moment soll das an ersten Eindrücken mal reichen.

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