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Duato – Forsythe – Goecke Revisited

Mai 19, 2012

Dafür, dass Championsleague Finale ist, ist das Staatsballett ziemlich gut besucht. Vielleicht überschneiden sich die Fangruppen nicht so sehr, wie ich dachte… Meine mich dunkel zu erinnern, dass Vladimir Malakhov mal irgendwo erwähnte, sein Bruder sei Profifußballer und hätte kein rechtes Talent für Ballett, obwohl er ja eigentlich eine ganz gute Fußtechnik hat. Aber damit, dass die Füße für die Ausübung des Berufs eine gewisse Bedeutung haben, erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten dann wohl auch schon.

Wie dem auch sei, wieder der Reihe nach:

Nacho Duato – Arcangelo

Von der Premierenbesetzung ist nur noch einer übrig geblieben, nämlich Michael Banzhaf, ansonsten haben wir es diesmal mit Nadja Saidakova, Vladimir Malakhov, Beatrice Knop, Anastasia Kurkova, Dominic Hodal, Krasina Pavlova und Alexander Korn zu tun. Ich bin allerdings nicht sicher, ob man es einfach der Besetzung zuschieben kann, dass das Stück in der heutigen Vorstellung nach meinem Dafürhalten viel, viel besser funktioniert hat als bei der Premiere. Hofesh Shechter hat sich in einem Interview mal darüber beschwert, dass die Presse immer zur Premiere kommt, während die besseren Vorstellungen normalerweise die nachfolgenden sind. Bei Premieren scheint es so zu sein, dass es noch gewisse Kinderkrankheiten gibt, weil die tatsächlich Performancesituation vor Publikum eben doch etwas anderes ist als die Generalprobe und in nachfolgenden Aufführungen sind dann gelegentlich mögliche Mängel behoben oder verbessert.

Arcangelo ist einer der seltenen Fälle, in denen ich nicht glaube, dass ich bei der Premiere einfach zu doof war, um die Qualitäten des Stücks zu sehen, sondern ich bin tatsächlich überzeugt, dass mein Eindruck, dass „fahrig“ getanzt wurde durchaus korrekt war, ebenso, dass die Tänzer nicht so genau auf dem Zettel hatten, was sie eigentlich machten. Und die beiden Probleme waren in der heutigen Aufführung nicht mehr zu sehen. Konzentriert und entschieden getanzt hat Arcangelo durchaus seine Qualitäten, sieht gut aus, Anlehnungen an die religiöse (also christlich katholische) Ikonographie hätte ich auch schon bei der Premiere sehen können, waren für mich diesmal aber deutlicher zu erkennen, weil auch mit einem Pathos getanzt, das ich geglaubt habe. Es ist erstaunlich, was man mit mehr Konzentration erreichen kann, erstaunlich. In der konzentrierteren Fassung ist es nicht nur so, dass die Tänzer besser aussehen, sondern die Choreographie selbst bekommt auch eine gewisse, der Musik angemessene Erhabenheit, und die dem Stück eigene durchaus angenehme Ästhetik wird für mich klarer Sichtbar, es ist natürlich eine Miniatur, wie die beiden anderen Stücke auch, aber diesmal kann es sich nach meinem Dafürhalten mit den beiden Stücken danach messen, bei der Premiere war das in meinen Augen nur bedingt der Fall. Da hab ich Nacho Duato vielleicht ein bisschen Unrecht getan, nun gut er wird’s verkraften (bzw. sowieso nicht bemerkt haben)

Forsythe und Goecke

Die Besetzung hat sich auch hier etwas verändert, bedingt durch das nicht mehr da sein von Polina Semionova, dafür ist Mari Kawanishi jetzt dabei (es ist ja eine angenehme Begleiterscheinung des Abends, dass Corps de Ballet Tänzer/innen mal was anderes machen dürfen als Corps de Ballet tanzen). Hm, es ist ein wenig seltsam, aber im Nachhinein betrachtet könnte es sein, dass die gute Polina in der Premiere bereits ein wenig ein Fremdkörper war, wobei ich da wirklich nicht sicher bin, inwieweit das nicht nur meine persönliche Wahrnehmung war – also, dass ich sie da schon ein wenig als „nicht mehr da“ gesehen habe – schließlich wusste man um den etwas rabiaten Ablösungsprozess, der da stattfand und nun gut, das beeinflusst den Blick natürlich irgendwie – keine Ahnung, beim zweiten mal sehen kam mir der Abend entspannter vor, vielleicht war ich entspannter oder mittlerweile hat sich insgesamt eine größere Sicherheit bei den Tänzern entwickelt. Bei Duato ist es sicher nicht nur meine Wahrnehmung, bei Forsythe vielleicht schon. Der einzige, der mir „objektiv“ entspannter erschien, war Dinu Tamazlacaru, bei der Premiere hatte ich manchmal das Gefühl, dass er Lässigkeit ein bisschen zu sehr vorspielt, das macht er jetzt nicht mehr – ich nehme aber an, das hat tatsächlich etwas mit „Premiere“ im Vergleich zu nachfolgender Aufführung zu tun.

Wie dem auch sei. Federico Spallitta darf diesmal statt Arshak Ghalumyan ran. Ich habe ja keinen Hehl daraus gemacht, dass ich Arshak Ghalumyan sehr schätze und bin der Meinung, dass er tatsächlich besser in dem Part war. Dafür war dann der Focus wieder mehr auf Nadja Saidakova. Es gibt ja Tänzer, die in Bezug auf Pas de deux sagen, es sei für sie das größte Lob, wenn die Zuschauer ihre Anwesenheit gar nicht bemerken, sondern die Augen ganz und gar auf der Ballerina haben, die durch den Tänzer dergestalt unterstützt wird, dass sie allein glänzen darf. Insofern hat Federico Spallitta den Job eines Gentlemans erledigt, aber mir kommt es so vor, dass es bei Herman Schmerman durchaus in Ordnung ist, sich auch als männlicher Part etwas mehr in den Vordergrund zu spielen. Aber tänzerisch war das nach meinem Dafürhalten eine saubere Sache und das „Partnering“ war auch so, dass seine Partnerin durchaus strahlte.

Zum Goecke Stück habe ich eigentlich nichts weiter zu sagen. Wie es beim zweiten mal sehen so ist, war für mich die Struktur des Stückes ein bisschen besser erkennbar. Beim ersten mal habe ich tatsächlich nur sehr wenig darauf geachtet, welcher Tänzer jetzt was macht, das Stück ist nach meinem Dafürhalten auch immer noch vor allem eine Ensembleleistung, aber wie es so ist, ist beim zweiten mal die Sichtweise detaillierter, aber da die Tänzer alle eine gute, konzentrierte Arbeit machen, kommt es mir nicht so sinnig vor jetzt über spezielle Qualitäten von diesem oder jenem zu sprechen. Ansonsten ist natürlich der Überraschungseffekt weg, aber ich halte das Stück immer noch für gut, ich bin immer noch der Meinung, dass es richtig, wenn nicht sogar notwendig ist, dass das Staatsballett so was im Repertoire hat – natürlich finde ich nicht, dass das Staatsballett nur noch solche Sachen machen sollte, aber im Dienste einer Kompanie, die ein möglichst breites Spektrum an Tanz drauf haben soll, ist das eine Bereicherung. Ansonsten würde ich weiterhin behaupten, dass es formal um eine Art Kampf der Ballettform gegen etwas weniger „schöne“, fremdartigere Bewegungen geht, das Stück hat meiner Meinung nach viel mit Ballett zu tun, zumindest thematisch/formal und passt auch aus diesem Grund gut dahin wo es ist.

Hm, seltsamerweise werde ich von meiner freundlichen Sitznachbarin nach dem Goecke Stück gefragt, ob ich ihr erklären könnte, worum es da inhaltlich gegangen sei. Ich sage „Nein“. Das Ding ist, ich hätte auch, wenn die Frage nach Nacho Duato oder Forythe gekommen wäre mit „Nein“ geantwortet, aber da wird das nicht gefragt. Vormerken, dass dieses Phänomen irgendwann mal einer genaueren Untersuchung bedarf.

Nun gut, hat mich gefreut, dass das Duato Stück doch sehr gewonnen hat seit der Premiere, davon abgesehen ein kurzweiliger Abend, nach wie vor.

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