Skip to content

Tanztage Berlin 2014 – Eröffnungsabend

Januar 4, 2014

Kareth Schaffer: As easy as 1, 2, 3. Das ist die Eröffnungsperformance der Tanztage 2014, für die ein Platz ganz links – wo es sonst in den Sophiensälen meistens ganz gemütlich zugeht – eher suboptimal ist, da sich das Geschehen eigentlich nur in der Mitte der Bühne abspielt und auch da nur sehr kurz zu sehen ist, in kleinen Flashes, während der Hauptteil der Aufführung im Dunklen stattfindet und darin besteht, dass zwei junge Damen zählen. Klingt seltsam? Nun gut, natürlich funktioniert der Effekt, im Dunklen gewisse Bilder zu stellen und die dann kurz zu beleuchten in der Regel ganz gut, ist gelegentlich witzig und man kann auch in diesen Bildern (Umarmungen, Gewalttaten, Bedrohung, Freundlichkeit, Verwunderung usw.) sehr reduzierte Emotionen rauslesen, die sich dann als Topos oder Klischee gewissermaßen selbst erzählen. Da es sich aber um die Eröffnungperformance handelt und das Stück seeeehr kurz ist, habe ich beschlossen, darin vor allem so eine Art Mission Statement (wie sagt man da auf deutsch: Absichtserklärung?, okay das englische klingt irgendwie glamouröser) der Tanztage zu sehen. Ich habe gelesen, dass die Tanztage dieses Jahr von zwei Menschen kuratiert werden, Peter Pleyer, der das, glaube ich, schon seit eh und je macht, wird dieses Jahr erstmalig von Arianne Hoffmann unterstützt. Die beiden haben sich erstmal durchaus selbstbewusst auf die Fahnen geschrieben, einen möglichst repräsentativen Querschnitt über neuere Entwicklungen in der Berliner Tanzszene auf den Tanztagen zu zeigen und ich vermute, das geht tatsächlich etwas einfacher, wenn man zu zweit ist, weil es eben eine Menge Aufführungen gibt, die man sich in Berlin anschauen kann. Was im Programmheft im Wort steht, könnte man in „As easy as 1, 2, 3“ wenn man will tänzerisch oder eben irgendwie darstellend ausgedrückt erkennen, nämlich dass eben zwangsläufig vieles im Dunkeln bleiben wird, man aber blitzlichtartig Ausschnitte sehen kann, die möglicherweise auf ein Ganzes der Trends im Berliner Tanzwesen schließen lassen. Für mich ist diese Lesart zumindest erstmal gut genug, die Performance ist auch schon nach drei Minuten vorbei. Natürlich kann man auch über drei Minuten Performances lange Abhandlungen schreiben, aber es gibt ja noch zwei andere.

Ahmed Soura: Au Prêt du temps.

Ahmed Soura ist ein durchaus umtriebiger Tänzer und Choreograph, geboren in Burkina Faso, die genaue Biographie kann man sich auf seiner Homepage anschauen. Mir kommt der Name irgendwie bekannt vor und als er dann auf der Bühne erscheint, fällt mir auf, dass er bei „Das wahre Gesicht – Dance is not enough“ von Christoph Winkler mitgemacht hat. Außerdem hat er eine Arbeit bei „Tanzen vor Weihnachten“ gezeigt, die den Titel „Au près du printemps“ hatte. Ob es abgesehen vom Titel aber einen Zusammenhang mit dem hier gezeigten Stück gibt, weiß ich nicht, weil ich leider gegen meiner Vorsätze nur einen Abend bei „Tanzen vor Weihnachten“ gesehen habe und da war er leider nicht dabei.

Wie auch immer. Zunächst nutzt er die Umbaupause sehr gut, indem er, während fleißig auf der Bühne rumgeräumt wird, (ich nehme an vom Band) munter drauf los erzählt, wie er sich die folgende Aufführung so im Wesentlichen vorstellt, was die Musik macht, wie das Licht aussehen soll und dass er sich am Ende auf den Kopf stellen will. Die Musik steuert Johannes Lauer bei, ein Posaunist, der außerdem noch auf einer großen Muschel spielt, deren genaue zoologische Bezeichnung ich nicht kenne, gelegentlich während des Posaunespielens gleichzeitig beatboxt (wenn dass das passende Verb ist) und kurz gesagt, ganz erstaunliche Dinge mit der Posaune, unterstützt von einem kleinen Effektgerät, macht.

Dazu tanzt Ahmed Soura, durchaus energiegeladen und sehr konzentriert. Es kommt mir so vor, dass das Solo mit Livemusik Format ihm vielleicht eher entgegen kommt als „Dance is not enough“, aber wahrscheinlich stimmt das so nicht, da er allein ist, achtet man nur logischerweise mehr auf ihn und nimmt entsprechend auch die Qualitäten deutlicher wahr – nicht, dass er bei „Dance is not enough“ unauffällig gewesen wäre, er hat sich da schon als französisch schwadronierendes Energiebündel präsentiert, aber ich hatte mich bei dem Stück mehr auf das Thema konzentriert als auf den Tanz, vielleicht hätte ich es mir mehrmals anschauen sollen.

Die Kommunikation zwischen Soura und Johannes Lauer funktioniert durchaus interessant, die Musik ist dabei nicht immer das bestimmende Element, gelegentlich folgt der Tanz der Musik, gelegentlich ist es umgekehrt. Der Tanz selbst ist durchaus kraftvoll und erzeugt für mich zunächst einmal den Eindruck von großer Lebendigkeit. Wie bei „Dance is not enough“ haben wir es mit einem nach meinem Empfinden recht komplizierten Bewegungsmaterial zu tun, zum einen modern dance Elemente, vielleicht mehr aber noch Breakdance Varianten, ohne auf Break Dance Klischees zurück zu greifen (abgesehen natürlich von den versprochenen mal mehr, mal weniger erfolgreichen Headspinversuchen am Ende, ich glaube Breakdancer haben aber den unfairen Vorteil, dabei ein kleines Mützchen zu tragen, das die Sache erleichtert und so zwanzig, dreißig Headspins am Stück möglich macht), vermutlich gibt es auch Einflüsse aus afrikanischen Tanzformen, womit ich mich aber nicht sehr gut auskenne, sondern was ich eigentlich nur aus „Burkina Faso“ schließe. Jedenfalls sind die Einflüsse, ähnlich wie beim Breakdance nicht zu deutlich herausgestellt – es gibt gelegentlich kleine rhythmische Ergänzungen mit den Füßen und bei meiner einzigen Erfahrung mit afrikanischem Tanz war es so, dass man permanent den Takt mit den Füßen vorgegeben hat (aber das sind natürlich Anfängerübungen).

Für mich drängte sich eine politische Lesart der Performance, die der Text im Programmheft dezent nahelegt, jetzt nicht unbedingt auf. Tatsächlich war ich dafür ganz dankbar. Manchmal bin ich ja durchaus in der Stimmung, alles mögliche politisch zu deuten, aber heute war das definitiv nicht der Fall, vermutlich, weil ich den Tag über Deutschlandradio gehört habe und irgendwann ausgeschaltet habe, weil ich über die pseudopolitischen Mätzchen mit denen das Neue Jahr beginnt, ein wenig genervt war und mich darauf freute, am Abend einfach nur lebendigen Tanz zu sehen. Insofern war Ahmed Souras und Hannes Lauers Performance für mich eine Wohltat. Natürlich ist es möglich, beispielsweise in den Headspinversuchen am Ende eine Art Beckettsches Scheitern zu sehen, aber an dem Abend war es für mich naheliegender, dass es einfach ein Versuch war, etwas Schönes und Interessantes für das Publikum zu machen. So gesehen war das dann eine Performance, die einen daran erinnert hat, dass die Welt der Menschen eben vor allem aus lebenden, sich bewegenden Körpern und nicht unbedingt aus politischen Pseudo-Programmen besteht. Das allein ist dann allerdings fast wieder politisch, vielleicht ist auch genau das im Programmheft gemeint.

Jorge de Hoyos – Departing things

Ist eine Performance für vier Tänzer und sechs Kartoffeln, von denen eine allerdings zu Anfang schon zur Hälfte aufgegessen wird. Die Tänzer sind Anna Lena Lehr, die schon in der drei minütigen Openingperformance des Abends mitgemacht hatte, Asaf Aharonson, Thomas Proksch und Jorge de Hoyos selbst.

Nun gut, jetzt wird es ein bisschen kompliziert. Es ist ja kein Geheimnis, dass Tanz gelegentlich gewisse esoterische Eigenschaften hat oder dass es zumindest für mich gelegentlich sinnvoll ist, auf Meditationstechniken oder ähnliches zu verweisen, um, zugegeben etwas hilflos, dahinter zu kommen, warum manche Performances intensiver sind als andere, manche Tänzer an einem gegebenen Abend sichtbarer und präsenter wirken als andere.

Es gibt gewisse Techniken, um derartige Zustände der Konzentration herzustellen, die man dann in diversen Bodywork Workshops, Ausbildungen und so weiter erlernen kann. Die Techniken sind zahlreich, von Feldenkrais über Body Mind Centering, Skinner Releasing Technique, Contact Improvisation zu verbreiteteren Formen wie Yoga oder Tai Chi, die ja eben einen Zusammenhang von Meditation/Präsenz und Bewegung herstellen wollen. Nun sieht man derartige Techniken eher selten auf der Bühne, weil sie oft eher dazu geeignet sind, den Tänzer in die Lage zu versetzen, den eigentlichen Bühnentanz selbst besser über die Bühne zu kriegen, die Übungen selbst sind aber nicht Teil der Performance sondern lediglich Teil der technischen Tanzausrüstung des Tänzers. Was in „departing things“ versucht wird, so kommt es mir jedenfalls vor, ist, diese Bodyworktechniken tatsächlich für die Bühnenkunst direkt nutzbar zu machen, und das funktioniert über weite Strecken sehr viel besser als ich erwartet hätte.

Dafür gibt es mehrere Gründe: zum einen ist die Performance trotz aller gelegentlich befremdlich privat anmutenden Übungen durchaus humorvoll und zwar oft mit einem guten Gespür für die Stellen, bei denen die Gefahr besteht, dass die Performance gewissermaßen zu einem Workshop wird, der für die Tänzer unter Umständen gewinnbringender ist als für die Zuschauer. Das sind normalerweise die Punkte an dem Abend, an denen irgendein amüsantes Detail daran erinnert, dass sich die Performer durchaus über die Anwesenheit des Publikums im Klaren sind. Die Gefahr besteht vor allem, bei manchen sehr kurzen Aktionen, bei denen man aber nichtsdestotrotz etwas über Performancehaltung und Konzentration bei einer Bühnenaktion lernen kann. Also: Ein Tänzer schubst einen anderen um, bleibt einen Augenblick noch hochkonzentriert stehen, verlässt dann die Konzentration und geht normal an einen anderen Ort auf der Bühne. Das ist soweit nicht uninteressant, aber größere Kraft entwickelt der Abend in länger andauernden Aktionen. Interessanterweise entwickelt sich diese Kraft viel mehr über die Stimmen der Performer als über die Bewegungen.

Aber der Reihe nach. Die erste gemeinsame Aktion der Performer ist, dass sie in einem engen Viereck stehen und jeder dem Nebenmann mit den Fingern an eine Stelle zwischen den Augen tippt, wo sich in der Vorstellung der östlichen Philosophie das Ajna Chakra befindet, das vielleicht unter dem Begriff „das dritte Auge“ bekannter ist. Über eine ähnliche Übung habe ich mal in irgendeinem Buch über Schamanismus gelesen, wobei da der beklopfte Bereich des Gegenübers eher das Brustbein war (für Esoteriker: das Herzchakra). Sinn und Zweck der Übung in dem Buch war es, die Grenze zwischen „ich“ und dem Gegenüber aufzulösen: das läuft anscheinend so, dass, wenn man das lange genug macht, man irgendwann das Gefühl dafür verliert, ob man nun an die eigene oder an eine fremde Stirn klopft, weil man den taktilen Reiz sowohl in den Fingern als auch an der Stirn hat. Hab ich nicht ausprobiert, klingt aber für mich so, als könnte es funktionieren. Nach dieser theatral relativ unspektakulären Anfangsübung der Performance, sehe ich aufgrund dieser Assoziation alles folgende an dem Abend unter diesem Gesichtspunkt. Anders gesagt: für mich geht es in der Aufführung eigentlich darum, wie sich vier Individuen zu einem größeren Ganzen verbinden können, wie, sagen wir, eine Musikband oder ähnliches. Natürlich funktioniert ein Menschenschwarm anders als ein Bienenstock oder ein Ameisenhaufen, aber in den besten Momenten gelingt es in der Performance tatsächlich bei gleichzeitiger Beibehaltung der Performerindividualität eine Art neues Wesen das aus vier Einzelteilen besteht, entstehen zu lassen und das läuft eben vor allem über die Stimmen.

Im Zentrum der Performance steht fast monolithisch eine recht lange (und deshalb gute) Passage, die damit beginnt, dass erstens zwei Performer von einer Seite der Bühne auf die andere Tanzen, so Contact Improartig, während, zweitens, vorne rechts (also weit entfernt von mir) sich zwei andere Performer gegenüber sitzen. Performer eins fragt nun Performer zwei immer die gleiche Frage: „Why do you have to leave?“ Da ich, wie schon erwähnt, außen links sitzen, verstehe ich erst „Why do you have to live“ was eine seltsame Frage ist, aber durch die Klangähnlichkeit der Worte „Leave“ und „live“ schließe ich nur aus den Antworten von Performer 2, dass „leave“ eher gemeint ist (wobei es auch Antworten gibt wie: „my heart is beating“, die „live“ nahelegen). Die Frage wird also gestellt, Performer zwei gibt eine Antwort oder druckst herum, Performer eins sagt „Thank you“ und stellt die Frage erneut. Das geht so eine ganze Weile. Die Performer, die das Frage Antwort Spiel spielen sind dabei natürlich deutlich voneinander getrennt, vor allem, weil sich der antwortende Performer zunehmend abquälen muss, Antworten zu finden, während sein Gegenüber ungerührt die immer gleichen Sätze spricht. Für das Publikum ist das mit zunehmender Dauer und Hilflosigkeit des Antwortenden durchaus amüsant, aber nach ziemlich langer Zeit passiert etwas ziemlich Unerwartetes: Der Frager beginnt seine Worte in eine Art Singsang zu verwischen, die Antworten mischen sich in den Singsang, Sprache als Bedeutungsträger verschwindet und wird zu reinem Klang. Die Tanzenden Performer kommen dazu, berühren die Sitzenden und steuern ebenfalls Klänge hinzu, die in irgendeinem nicht so ohne weiteres durchschaubaren Zusammenhang mit den Berührungen zu stehen scheinen – Leute die sich mit dieser voice/motion Technik auskennen wissen da vermutlich mehr drüber. Zu Beginn sind die unterschiedlichen Stimmen anhand ihrer Tonlagen noch recht gut unterscheidbar, doch mit wachsender Dauer entsteht letztlich ein einheitlicher und durchaus harmonischer Sound. Vergleichbar ist das vielleicht am ehesten mit Chorstücken neuerer Musik, was weiß ich Ligeti oder so, das kennt ja jeder aus 2001, scheint hier aber eben organischer und in einem rätselhaften Komplizenschaft mit den Bewegungen zu entstehen. Allerdings stellt sich für mich erstmal nicht so sehr das Gefühl ein, es mit einem statt mit vier Körpern zu tun zu haben. Möglich, dass die Tänzer eher dieses Gefühl haben, da die Grundbedingung zu sein scheint, den Körperkontakt immer zu halten und gleichzeitig die Positionen wechseln und sich fortzubewegen,was den Eindruck: „das ist jetzt ein Körper“ erzeugen könnte, das Gefühl der Einheit entsteht aber vor allem über den Klang.

Man mag im Ablauf darauf hinweisen, dass die Einheit der Gruppe erst zustande kommt, als die Sprache sich in Klang auflöst und da ich gelegentlich den Verdacht habe, dass Sprache häufiger Menschen voneinander trennt als verbindet, bin ich geneigt hier eine ähnliche Aussage zu sehen, zumindest wird Sprache als Bedeutungsträger hier deutlich nicht als Möglichkeit, sich zu verbinden gebraucht. Es reicht vielleicht, es bei dieser Beschreibung zu belassen, ob man dahinter dann eine Aussage wie die von mir vorgeschlagene sieht oder nicht, bleibt dann natürlich jedem selbst überlassen.

Später wird es noch einen ähnlichen Moment ohne Berührungen geben, wo die Tänzerkörper voneinander getrennt agieren, aber mit den Stimmen einen Klang entwickeln, der erstens sehr laut ist und eine seltsam sirrende Frequenz für meine Ohren hat, als würde man einen (nicht vorhandenen) Lautsprecher überbeanspruchen. Das ist dann gewissermaßen das Finale, wo die Tänzer dann den Abend bei sich abdämmendem Licht ausklingen lassen.

Wenn ich mich recht erinnere, gibt es nach dem epischen Mittelteil noch einmal die kleine Übung mit dem Nebenmann an die Stirn tippen und naturgemäß wäre das ein durchaus sinniges Ende für die Performance gewesen. Danach passiert durchaus noch das ein oder andere Interessante, aber erstmal hängt die Performance danach ein wenig durch – vielleicht ist das sogar ganz gut, allerdings wird man dabei erst mal aus einer durchaus ungewöhnlichen Stimmung gerissen und es passieren ein paar Kleinigkeiten, bis dann am Ende noch ein durchaus würdiges Finale folgt. Ich sollte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die Kleinigkeiten, die für mich hier nicht von besonderem Interesse sind, dabei durchaus dem Thema, das sich Jorge do Hoyos gestellt hat – Abschiede, Verlassen werden – dienen, mein Augenmerk liegt an diesem Abend nur mehr auf der Gruppendynamik und den unterschiedlichen Formen der Auflösung der Individualität der Tänzer (im Klang) bei gleichzeitiger Beibehaltung der Individualität als Körper oder Teil eines Körpergewirrs – das kann man natürlich auch als Nähe/Distanz Thema lesen, womit ich dann gar nicht so weit vom intendierten Thema entfernt bin. Wie dem auch sei: Insgesamt ein ziemlich erstaunliches Stück, das vor allem in den langen Passagen einen tatsächlich in einen etwas veränderten Bewusstseinszustand bringen kann. Der Tanzstil, um das noch zu sagen ist dabei sehr unterschiedlich von Ahmed Soura, der, natürlich hip hop beeinflusst, schon eher kraftvoll spektakulär tanzt. Die Art zu tanzen in „departing things“ ist darauf derweil nicht aus, das ganze ist eher fließend und nicht bemüht, virtuos zu wirken, so ich das beurteilen kann aber trotzdem genau gearbeitet und im Zusammenwirken von Stimme und Tanz wohl auch technisch anspruchsvoll.

Das Ganze ist dennoch sicherlich nicht jedermanns Sache, weil recht ungewöhnlich, ich für meinen Teil, habe das jedenfall noch nicht häufig so auf der Bühne gesehen (eigentlich noch nie – es gibt aus meinem Erfahrungshorizont heraus, stellenweise noch am Ehesten Ähnlichkeiten zu Meg Stuart, wo ich die Arbeit mit der Stimme so aber nicht gesehen habe).

Bei „departing things“ scheint es mir durchaus interessant, dass gewisse Körperübungen (jemand liegt auf dem Boden, macht ein Geräusch, jemand anders übt Druck auf den Körper auf oder bewegt ihn irgendwie, was den Klang der Stimme verändert) oft erfolgreich in theatral wirkungsvoll Stücke überführt werden. Das Ganze hat durchaus esoterische Obertöne, ist dabei aber ganz aufschlussreich für Themen wie „Individuum – Gruppe – Schwarmidentität“ und was es dergleichen an hübschen Gedankenmodellen noch so gibt. Mir gefällt sowas ja oder ich war an dem Abend in der geeigneten Stimmung dafür, es war auch durchaus gut, die Aufführung an Ahmed Soura anschließend zu lassen, der schon mal eine gewisse Grundkonzentration beim Publikum hergestellt hat.

Nun gut, zu den Kartoffeln ließe sich vielleicht noch sagen, dass die Energieübertragung bei Wurzelknollen nicht ganz so erfolgreich verläuft wie bei menschlichen Wesen – was mit der Performance (tatsächlich für den geneigten Zuschauer überraschend unterhaltsam) bewiesen wurde.

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: