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Staatsballett Berlin – The Nights

Februar 8, 2014

Bei „the nights“ beziehe ich mich auf die zweite Vorstellung des Stückes, die ein recht reichhaltiges Rahmenprogramm hat, das ich mal voll ausschöpfe. Es beginnt also mit einer Einführung, die von einer jungen Tanzwissenschaftsstudentin gegeben wird, deren Namen ich nicht weiß und die tatsächlich einige interessante Hintergrundinformationen liefern kann, zum Beispiel zur Arbeit von Kostümbildner Azzedine Alaia, sowie zu einigen Dingen, die Angelin Preljocaj zu dem Stück gesagt hat. Etwas überraschend zum Beispiel, dass er von sich sagt, er sei „Feminist“. Das Thema scheint mich ja dieses Jahr irgendwie zu verfolgen, also werde ich mich wohl mittelfristig mal mit der Standardliteratur zum Thema befassen müssen oder Berichte, die etwas damit zu tun haben, an eine Schreiberin delegieren. Männer, die sich als Feministen bezeichnen sind ja immer ein bisschen komisch… warum das so ist, werde ich vielleicht etwas genauer erörtern, wenn ich mal mein Vorhaben für die nächsten sieben Tage, eine etwas genauere Betrachtung von Giselle anzufertigen, in die Tat umsetze. So steht die Äußerung erstmal im Raum.

Für den Anfang ist das für mich umso seltsamer, als ich in diversen Presseveröffentlichungen nach der Premiere den Eindruck gewonnen habe, man hätte es bei „The Nights“ mit einer etwas schwülstigen Erotik Revue zu tun. Die Tanzstudentin hat aber recht, wenn sie eher den Begriff „Feminismus“ in den Raum wirft. Eine Erotikrevue ist „The Nights“ deutlich nicht. Selbst die Passagen, die in den Schilderungen mancher Zeitungen nach quasi pornographischen Erregungschoreographien klangen sind weit davon entfernt, das zu sein. Ich nehme an, dass die öffentliche Darstellung dem Staatsballett nicht schaden wird, nur hat das eben eher wenig mit dem Stück zu tun.

Das Stück hat auch nicht besonders viel mit 1001 Nacht zu tun und ebenso wenig – was ursprünglich mein Verdacht war und was nahgelegen hätte – mit einer Auseinandersetzung mit dem westeuropäischen Blicks auf die „arabische Welt“. Der rote Faden, der sich durch den Abend zieht, besteht tatsächlich in Betrachtungen aller möglichen Arten, wie Männer und Frauen sich begegnen können. Allerdings denkt Angelin Preljocaj wohl nicht so, sondern ist, wie Christiane Theobald in der nachfolgenden Diskussion erörtert, eher ein intuitiver Choreograph, insofern ist es wohl nicht möglich, das Stück unter diesem Gesichtspunkt tatsächlich vollständig auszudeuten, ich glaube aber, dass vieles, was man zu sehen bekommt, relativ unmittelbar mit dem Thema zu tun hat. In seinen besten Momenten bietet der Abend tatsächlich eine durchaus aufschlussreiche Analyse des männlichen Blicks .

Also ein paar Eindrücke. Auf alles werde ich nicht eingehen, weil mir bei Malakhov and friends aufgefallen ist, dass das ganz schön anstrengend ist. Also der Anfang: darüber wurde ja in der Presse allerlei berichtet. Das eigentlich Auffällige an der Anfangsszene ist aber, dass sie sehr langsam ist. Es passiert eine Weile lang tatsächlich gar nichts, dann werden allmählich symmetrische Bilder geformt, die man wohl besser zu schätzen weiß, wenn man einigermaßen mittig sitzt, was bei mir an dem Abend nicht der Fall ist. Die Langsamkeit ist erstmal relativ verblüffend, weil man derartige Bilder eigentlich eher später erwarten würde, wenn der Zuschauer sich auf die Aufführung einigermaßen eingegroovt hat. Die Langsamkeit hat zwei Effekte: erstens wird tatsächlich die Tempoerwartung des Zuschauers runtergefahren, zweitens wird eine gewisse Spannung aufgebaut, die sich dann entlädt, als vermummte Kerle auf die Bühne getanzt kommen und die vorher friedliche Frauengruppe meucheln, was bereits eine Interpretation des Geschehens ist, denn tatsächlich ist das alles getanzt und dankenswerterweise hat man es auch nicht mit billigen Effekten wie Kunstblut und ähnlichem zu tun.

Das Thema ist damit gesetzt und ist hier erstmal tatsächlich identisch mit 1001 Nacht. In der bekannten Rahmenhandlung von 1001 Nacht geht es ja darum, dass Prinzessin Scheherazade einen Psychopathen durch das Erzählen möglichst interessanter Geschichten davon abzuhalten versucht, sie umzubringen. Dass der Psychopath gleichzeitig Sultan ist, ändert nichts an der Tatsache, dass er ein Psychopath ist.

Wenn man sich die Begegnung Sultan vs. Scheherazade als so ziemlich die härteste Art vorstellt, in der sich Männer und Frauen begegnen können (die 1001 Nächte, sind 1001 Nächte in Todesangst), dann spielt „the Nights“ danach viele mögliche Arten der intergeschlechtlichen Begegnung durch. Die Figur des Sultans gibt es nicht und die Figur „Scheherazade“ nur dann, wenn man als Hintergrundwissen weiß, dass Preljocaj gesagt hat, jede der Tänzerinnen sei Scheherazade. Das ist an sich natürlich erstmal ziemlich, nun gut, antidramatisch gedacht. Wir haben es nicht mit einem Handlungsballett zu tun. Eine sinnvolle Dramaturgie existiert nicht, eigentlich auch keine formal dramatisches Fortschreiten andeutende Struktur. Vermutlich könnte man die Reihenfolge der gezeigten Bilder beliebig verändern und der Abend würde im wesentlichen in seiner Wirkung und Aussage erhalten bleiben. Das ist natürlich spekulativ und käme auf einen Versuch an. Das Eingangsbild ist eine ungewöhnliche Wahl und durchaus sinnig, um dem Saal mehr oder weniger ein Tempo aufzuzwingen, aber das Schlussbild z.B. scheint als Abschluss keinesfalls folgerichtig, auch wenn Preljocaj es wohl als Zeichen von Emanzipation gesehen hat, dass die Damen am Ende gehen („nachdem die Männer ihren Spaß gehabt haben“ Christiane Theobald) – dem folge ich allerdings eher nicht, bzw. halte das für ein sehr schwaches Bild, um das Statement, dass die Damen da ihre Selbstbestimmtheit verwirklicht hätten, verständlich und zwingend zu vermitteln.

Aber hier ein paar erste Eindrücke, weiteres dann nach einer weiteren Betrachtung, die vielleicht mehr Aufschluss geben wird. Zunächst gibt es wenigstens zwei Bilder, die mich tatsächlich überraschen, weil sie tatsächlich irgendwie witzig sind. Zum einen hat man die gesamte Frauenriege, die in einer Reihe aufgestellt zu „it’s a man’s world“ in roten Minikleidern eine seltsame „Fuck you“ Choreographie tanzen. Überraschend ist das aus mehreren Gründen, zum einen ist „It’s a man’s world“ natürlich ein klischeehaft ausgewähltes Stück, wobei der Titel vermutlich provozierender ist, als der eigentliche Text und es gibt ja einige Sängerinnen, die das Ding dann zum besten gegeben haben. In die illustre Riege reiht sich Natasha Atlas also jetzt auch ein. Angelin Preljocaj ist ja nicht bekannt dafür, vor Plattheiten zurück zu schrecken und manchmal hat er damit sogar recht. Bei „…and then a thousand years of peace“, dem ersten Stück, das ich von dem Mann gesehen habe, fand ich das teilweise ziemlich nervig, hier funktioniert es aber recht gut, weil eben nicht so platt, wie es am Anfang aussieht. Die besonders herausragende Geste in der Choreographie ist hier der ausgestreckte Mittelfinger der Damen und da wird es dann schon kompliziert, denn einerseits bezieht sich das natürlich auf den Musiktitel und kann leicht als Kommentar zu eben diesem gesehen werden. Gleichzeitig ist es so, dass die Choreographie zu einem guten Teil aus Gesten besteht, die ich eigentlich explizit männlich nennen würde, die hier aber ebenso explizit weiblich ausgeführt werden. Dass die Tänzerinnen eben ihre hübschen roten Röcke tragen, verstärkt den Eindruck. Davon ausgehend kann man ganz gut Überlegungen anstellen, inwieweit die Damenwelt in der „Man’s world“ nicht mehr oder weniger gezwungen werden, einen männlichen Gestus anzunehmen, um sich durchzusetzen (ich meine dabei nicht den Mittelfinger, der nicht ausdrücklich männlich gesehen werden muss, eher Tritte und andere Bewegungen, die ich mit „Männlichkeit“ in Verbindung bringen würde). Andererseits kann man das genauso gut als eine Art sarkastischen Kommentar der Damenwelt zu männlichen Verhaltensweisen sehen, die abgelehnt werden. Kurz gesagt, das ganze Bild ist einerseits sehr simpel aufgebaut und gleichzeitig angenehm vielschichtig und ich mag sowas ja immer gern.

Das zweite Bild, das in eine ähnliche Kategorie rutscht, ist eine Art James Bond Variante zu „You only live twice“ ebenfalls in einer Coverversion von Natasha Atlas. Bei Gelegenheit könnte es eine interessante Aufgabe sein, sich mal diverse „007“ Vorspänne anzuschauen, weil da, glaube ich, immer getanzt wird. Die Musik und die Art des Tanzes bezieht sich ziemlich deutlich darauf und auch wenn dann noch Männer dazu kommen (was in einigen James Bond Vorspännen auch so ist), eröffnet sich dadurch natürlich ein ganzer Bond Girl Assoziationsraum und unter diesem Aspekt kann man sich das dann anschauen. Tatsächlich ist das ganz witzig (wie es überhaupt sinnig ist, manchen Bildern an dem Abend zuzutrauen, dass sie durchaus mit einem angenehm dezenten Humor choreographiert wurden). Der Tanz ist da, so wie man es von Bond Filmen kennt, durchaus „schön“ – was das heißt ist tatsächlich eine sehr schwierige Frage, für deren Beantwortung vielleicht ein nochmaliges Betrachten hilfreich sein wird. Schönheit ist ja ein kompliziertes Thema und weibliche Schönheit im James Bond Sinne heißt immer: weibliche Schönheit wie sie durch den männlichen Blick wahrgenommen wird, also eine übersteigerte, idealisierte Form (da hat das dann ziemlich viel mit klassischem Ballett zu tun).

Dann würde ich noch gern etwas zu dem „Wasserpfeifentanz“ sagen, der im Besetzungszettel tatsächlich „Wasserpfeifen“ heißt. Es ist notwendig, ein paar Dinge dazu zu sagen, weil das das Bild ist, dass in einer Kritik zum Stück ausdrücklich als besonders plumpe, gewissermaßen pornographische Choreographie beschrieben wurde und wenn man mit der Erwartung da ran geht, wird man ziemlich überrascht darüber sein, was man da sieht. Also das Pornographische kommt dann zustande, wenn man die Wasserpfeifen als Phallussymbol sieht und die Tatsache, dass die Tänzerinnen die Wasserpfeifen rauchen als Symbol für Oralsex. Nun gut, manchmal ist eine Wasserpfeife einfach nur eine Wasserpfeife, und die sexuelle Symbolik ist für mich keinesfalls eindeutig, obwohl sie mitschwingt, aber da wird es dann kompliziert. Das eigentlich Lässige an den Wasserpfeifen ist, dass sie tatsächlich funktionieren und so breitet sich schon ein paar Minuten vorher im Saal ein leicht kokeliger Geruch aus. Der Rauch, den die Tänzerinnen dann ausstoßen ist tatsächlich ein wichtiger Teil der Choreographie. Also das Ganze sieht so aus: Die Männer kommen mit den Wasserpfeifen auf die Bühne. Jede Wasserpfeife hat zwei Mundstücke an jeweils einer relativ langen Kordel. Die Männer liegen auf dem Rücken, der Wasserpfeifenkorpus befindet sich tatsächlich zwischen ihren Beinen (daher die Phallusassoziation, nicht an den Haaren herbei gezogen, aber auch nicht sooo wichtig). Die Damen befassen sich mit dem Wasserpfeifenkorpus eher nicht, sondern mit den Kordeln und den Mundstücken. Von allen Bildern an dem Abend ist es vielleicht das, bei dem die Damen am ehesten die vollständige Kontrolle haben. Sie wickeln die Kordeln um den am Boden liegenden Tanzpartner, der durch die Kordeln bewegt (und bei Gelegenheit stranguliert) wird. Wenn es um Sex geht, dann ist es eine deutlich weiblich dominierte Sexvariante, es geht auch – so sehe ich das Rauchen – um den Genuss der Frauen, die den Rauch eben durchaus selbstvergessen in den Raum entlassen. Aber wie gesagt, die Sexsymbolik ist nicht so platt, wie man vielleicht denkt und vielleicht ist das Anstößige daran für manche, dass es, wenn man das durch die Sexbrille sieht, um weibliche Dominanz geht.

Nun gut, allgemein sollte ich noch anfügen, dass die Tanzsprache nach meinem Dafürhalten komplizierter (und vermutlich schwieriger) ist, als z.B. bei Schneewittchen, als das andere Preljocaj Stück im Repertoire. Das Ganze fußt auf Ballett und Modern Dance, wird aber kombiniert mit zeitgenössischen Techniken, mutmaßlich vor allem Contact Impro, was die Haltegriffe betrifft, einmal wird kurz eine Figur vorgeführt, die ich so eins zu eins bei einem Contact Workshop geübt habe, wenn ein Körper am Boden rollt und einen anderen Körper mitnimmt. Zum Teil werden alle Techniken gleichzeitig oder sehr kurz nacheinander benutzt, was tatsächlich eine tänzerisch ziemlich komplizierte Sache ist. Für Ballett braucht es eine völlig andere Körperspannung als für Contact Sachen, der Bodenkontakt bei Modern Techniken ist wieder etwas anderes und das alles unter einen Hut zu bringen ist erstmal ziemlich beeindruckend, vor allem weil das dann bei aller Vielfalt eben doch eine einheitliche und sinnige Tanzsprache ergibt.

Nun gut, nach Ende des Stückes gibt es im Rahmen von „Mapping Dance Berlin“ noch ein Publikumsgespräch mit Christiane Theobald (stellvertretende Intendantin des Staatsballetts) und Gabi Beier von den ada-Tanzstudios, also ein kleiner Spielort der freien Szene für Neue Choreographen trifft das Staatsballett.

Ich will nicht unbedingt das ganze Gespräch nacherzählen. Zunächst plaudert Christiane Theobald munter über die Arbeit an dem Stück und ist (zu recht) stolz auf die Tänzer, die sich zu einem guten Teil aus dem Corps de Ballet und Demi-Solisten rekrutieren und die Sachen tanzen müssen, die sie vom klassischen Repertoire überhaupt nicht gewöhnt sind. Tatsächlich ist an dem Abend eigentlich keine Tanzhierarchie zu erkennen, wenn man vielleicht von Iana Balova absieht, die einige herausgehobene Stellen zu tanzen hat, während Krasina Pavlova, als die andere Solotänzerin, sich zurück hält und in die Gruppe einreiht. Christiane Theobald erzählt dann auch, dass sie sich bei Sichtung der Uraufführung, die Preljocaj mit seiner eigenen Truppe zum Vortrag gebracht hat, keine Sorgen um die Besetzung der Männer gemacht hat, aber Zweifel hatte, ob die Tänzerinnen am Staatsballett die „Erdung“ hinkriegen. Tatsächlich entsinne ich mich von „…and then a thousand years of peace” dass die Preljocaj Tänzerinnen tatsächlich nicht unbedingt wie ätherisch luftige Balletttänzerinnen aussehen. Was die Männer betrifft stimmt das schon: das Staatsballett hat da eine ganze Reihe von Tänzern, die kein Problem mit dem Kram haben und die sieht man da auch: Arshak Ghalumyan, Leonard Jakovina, Vladislav Marinov, Federica Spalita und so weiter (also: Dominik Hodal, Alexander Korn, Wei Wang, damit sind die für die Vorstellung komplett aufgezählt). Bei den Frauen bin ich mir nicht sicher. Ich kann mir vorstellen, dass das Luftige der zum Teil (naja, eigentlich durchgehend) sehr zierlichen Staatsballett Tänzerinnen eine besondere Qualität in die Sache bringt, die eben auch eigen und besonders ist, denn sehr erdig wirkte das dann naturgemäß eher selten. Da wäre mal der Vergleich zur Preljocaj Version mit der eigenen Truppe interessant.

Nun gut, Hintergrundinformationen sind immer eine schöne Sache, andererseits bin ich ja für gewöhnlich der Ansicht, dass eine ignorante Betrachtungsweise, in der man einfach nur sieht, was auf der Bühne vor sich geht, auch Vorteile hat (beides kann aufschlussreich sein) – und zum Teil sieht man da eben auch Dinge, die vielleicht der Absicht des Choreographen zuwider laufen. Das ist einfach der Möglichkeit geschuldet, dass man Tanz auf völlig unterschiedliche Arten sehen kann (überraschenderweise funktioniert das gelegentlich auch mit dem sehr viel spezifischeren Ausdrucksmedium Sprache).

Zum Beispiel das „Vasentanz-Bild“, in dem die Tänzerinnen auf dem Rand von recht großen Vasen sitzend tanzen, irgendwann durch männliche Partner unterstützt oder manipuliert. Am Ende verschwinden die Damen in den Vasen. Im Gespräch wird darauf hingewiesen, dass das ja ein möglicherweise fragwürdiger Kommentar dazu ist, wie die Frauen eben zum Verschwinden gebracht werden (was eigentlich tendenziell ein kritischer Kommentar wäre), nachdem sie gewissermaßen eine dekorative, blumenartige Funktion erfüllt haben, ich merke aber, dass mein mutmaßlich männlicher Blick das tatsächlich anders wahrnimmt, nämlich so, dass es sich bei den Tänzerinnen nicht wirklich um Frauen handelt, sondern um idealtypische Frauenbilder, genauer gesagt um eher geisterhafte Wesen wie die Djinns, die es ja z.B. in der Geschichte mit Alladin und der Öllampe gibt. Aus meiner Sichtweise hat man es also eher mit einem männlichen Phantasiebild zu tun, das sich am Ende dem Blick entzieht. Die Vase ist in meiner Wahrnehmung eher ein Schutzraum, in dem sich die Tänzerinnen dem männlichen Blick entziehen. Christiane Theobald wiederum weist darauf hin, dass es für die Tänzerinnen ziemlich schwierig war, überhaupt auf diesen Vasenrändern zu tanzen. Ich würde mal sagen, es ist durchaus ein Qualitätsmerkmal, dass man das gleiche Bild aus völlig unterschiedlichen Perspektiven völlig unterschiedlich sehen kann.

Zum Abschluss sollte ich noch auf eine weitere interessante Differenz in der Wahrnehmung hinweisen. Es gibt ein kleines Solo (ich glaube von Anissa Bruley, bin aber nicht sicher, weil die Tänzerin die ganze Zeit mit dem Rücken zum Publikum sitzt). Christiane Theobald berichtet, dass das Solo von Man Rays „weiblicher Rücken als Cello“ Bild inspiriert ist. Tatsächlich ist meine Assoziation an dem Punkt eine völlig andere und das Solo ist tatsächlich das Bild an dem Abend, das genauso gut an einem Abend für zeitgenössischen Tanz als Einzelperformance stattfinden könnte. Die Tänzerin sitzt also mit dem Rücken zum Publikum und hat die Arme vor dem Körper verschränkt. Das Bild ist tatsächlich in meiner Wahrnehmung nicht besonders schön. Das Verschränken der Arme vor dem Körper führt irgendwie ja zu einer relativ krassen Betonung der Schulterblätter. Erstmal hat man es also nicht unbedingt mit einem schönen weiblichen Torso zu tun, sondern mit einem armlosen Körper und man sieht dann einen für meine Augen brutal anmutenden Tanz der Knochen, die sich unter der Haut bewegen wie alienartige Wesen. Tatsächlich finde ich das ganze Bild krasser als alles andere an dem Abend. Es ist aber gut, und ich würde mal als ersten Eindruck sagen, dass das ganze Stück erheblich besser ist, als man es durch die Pressereaktion vermuten würde. Ein zweiter Eindruck wird darüber aber genauere Erkenntnisse liefern.

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