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Ach ja, das Staatsballett

September 14, 2016

oder: warum ich die Petition des Ensembles nicht unterstütze.

Wenigstens tut sich was.

Die Situation im Moment am Staatsballett ist ja so, dass die Institution unter Nacho Duato mehr oder weniger von der nationalen und internationalen Presse ignoriert wird, der Spielplan ist nicht unbedingt so, dass man denkt „das muss man gesehen haben“, die Personaldecke bei den ersten Solisten und Solistinnen ist dünn und irgendwie passiert da nichts.

Insofern war und ist es für jeden offensichtlich, dass sich am Staatsballett etwa ändern muss.

Nun hat sich die Kulturpolitik dazu durchgerungen, eine Doppelspitze bestehend aus Johannes Öhman und Sasha Waltz zu engagieren.

Die Aufteilung dabei scheint zunächst so zu sein, dass Öhman wohl für das klassische Repertoire zuständig sein würde, Sasha Waltz für das zeitgenössische.

Das Tänzerensemble des Staatsballetts hat derweil eine Petition gestartet, in der es sich gegen Sasha Waltz ausspricht, was mir etwas seltsam vorkommt, denn grundsätzlich ist der Plan, ein breites klassisches Repertoire durch relevante, groß angelegte zeitgenössische Stücke zu ergänzen, gut, und es ist jetzt nicht so, als hätte Sasha Waltz noch nie mit großen klassische Ensembles gearbeitet.

Also für die Pariser Oper war sie gut genug, böse gesagt könnte man nun denken, die Berliner Tänzer fühlen sich als etwas Besseres als ihre Pariser Kollegen, aber weniger bösartig muss ich gestehen, dass ich keine Ahnung habe, was hinter diesem Protest steckt.

Das einzige Argument, das ich verstehe, ist, dass die Ernennung sehr früh (nicht drei, wie es in der Petition heißt, sondern eher zwei Jahre im voraus) und in Wahlkampfzeiten erfolgt. Die zwei Jahre bis zum Wechsel riechen nach einer ziemlichen Saure-Gurken Zeit fürs Staatsballett.

Dass es dem „Ruf des Staatsballetts“ schaden würde, wenn Sasha Waltz als Co-Intendantin anfängt, halte ich für absurd, denn seien wir ehrlich: um den Ruf ist es im Moment eh nicht besonders gut bestellt, und Sasha Waltz Inszenierungen werden zumindest von der Presse beachtet und können potentiell sowohl Berlin Besucher, als auch Tanzfreunde, die eher selten das Staatsballett besuchen, ins Staatsballett locken. Für manche mag ein Sasha Waltz Stück am Staatsballett auch eine Motivation sein, sich vielleicht das ein oder andere Werk des klassischen Repertoires anzuschauen. Und dass es klassische Stücke weiter geben wird, steht durch die Ernennung von Johannes Öhmann außer Frage.

Sasha Waltz, um auch daran zu erinnern, hat schon Operninszenierungen in Berlin gemacht, die grundsätzlich ausverkauft sind, und gelegentlich hätte man sich gewünscht, dass da vielleicht eher Staatsballetttänzer statt Tänzer aus Sasha Waltz eigener Kompagnie beteiligt gewesen wären, denn immerhin hängt das Staatsballett mit den Opernhäusern zusammen.

Nun argumentieren die Tänzer, dass sie ja für den Sasha Waltz Stil nicht ausgebildet sind. Ähm, ja. Sind die Tänzer der Pariser Oper auch nicht. Das sagt nun einerseits etwas über die Tanzausbildung aus, aber eigentlich sitze ich etwas irritiert da und denke: Leute, ihr seid jung, es wird euch bestimmt nicht schaden, euch ein paar neue moves drauf zu schaffen. Es sagt ja niemand, dass ab jetzt nicht mehr klassisch getanzt wird. Dass gelegentlich zeitgenössischere Bewegungen gefordert werden, gab es unter Malakhov und gibt es unter Nacho Duato. Das Argument ist also ein komisches Scheinargument, mit dem sich die Tänzer eher ein Eigentor schießen, weil man es polemisch in: „Wir weigern uns neue Dinge in unserem Beruf auszuprobieren“, übersetzen könnte. Und ich bin nicht sicher, ob das alle Tänzer so ohne weiteres unterschreiben würden.

Kurz gesagt, so sympathisch mir die Krawalligkeit der Berliner Tänzerinnen und Tänzer grundsätzlich ist, zeugt die aktuelle Petition eher von einer gewissen Engstirnigkeit. Die einzige Forderung, die ich unterstützen würde, wäre die nach Mitspracherecht bei der Auswahl des Intendanten (oder einer Intendatenkombi), wohl nach dem Vorbild der Berliner Philharmoniker. Aber den Status muss man sich dann auch erstmal erarbeiten.

 

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